Held*innen-seminar an der Universität Passau
Die Seminarteilnehmer*innen der Seminargruppe 10 nahmen in der Blockphase an einer Exkursion an die Universität Passau teil.
Zunächst durfte sich die Gruppe auf einen Workshop an der Professur für Ältere Deutsche Literaturwissenschaft freuen. Frau Professorin Dr. Andrea Sieber sowie ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Julia Siwek begrüßten die Teilnehmer*innen im DiLab-Lehrkräftezimmer und informierten zu Beginn kurz über die Forschungs- und Handlungsfelder der Professur. Anschließend ging Professorin Sieber auf den Wandel des Heldenbildes ein. Sie zeigte auf, dass sich der Held als literarische Figur der Heldenepik vor allem durch Exorbitanz auszeichnet; ein Idealtypus, der nicht immer moralisch positiv handelt. Anschließend stellte sie – anknüpfend an die Analysearbeit mit der Seminarlehrkraft in den vorherigen Seminarsitzungen – die Held*innen des Nibelungenmythos in Text und Film vor. Zunächst wurde die parallel gestaltete Einführung der Figuren Kriemhild und Siegfried im „Nibelungenlied“, das vermutlich um 1200 im Raum Passau entstand, näher betrachtet. Beide Figuren sind aufgrund ihrer Eigenschaften und ihres königlichen Status füreinander vorherbestimmt; ganz nach dem Motto: dem Besten die Schönste. Brünhild wird ähnlich wie Kriemhild eingeführt. Als Alleinherrscherin auf Isenstein erfährt sie jedoch auch eine männliche Attribuierung und misogyne Perspektivierung, wenn sie etwa von Hagen als „tîvels wîp“ bezeichnet wird. Mit Fokus auf zentrale Achsen der Handlung, nämlich dem Königinnenstreit und dem Mordkomplott um Siegfried, zeigte die Referentin auf, wie die Handlung und Figurenkonzeption in der filmischen Realisierung verändert und neu akzentuiert wird. Anhand zweier Szenen aus Uli Edels „Die Nibelungen“ (2004) wird deutlich, wie etwa personale Bindungen subjektiviert, Figuren und Situationen emotionalisiert werden und letztlich Empathielenkung stattfindet. Während Hagen als neutraler Beobachter fungiert, wird Brünhild als eigenständige Heldin und Rächerin konzipiert. Dabei wird auch deutlich, wie filmästhetische Mittel zur Neuakzentuierung der Figuren und Handlung eingesetzt werden. Einen schönen Abschluss des ersten Workshopteils bot Professorin Sieber, indem sie eine Szene aus „Sommers Literary Lifehacks“ (Kriemhilds Lifehack No. 1 (2020)) präsentierte. Darin reflektiert Kriemhild den Konfliktverlauf, räumt schließlich ihr Fehlverhalten ein und plädiert für Frauensolidarität statt Konkurrenzdenken.
Im zweiten Teil des Workshops informierte Julia Siwek über wichtige Schritte beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit, von der Themenfindung zur konkreten Fragestellung. Die Teilnehmer*innen durften die Tipps gleich in Tandems erproben und eine konkrete Fragestellung entwickeln. Im Plenum konnten die Teilnehmenden anschließend ihre Ergebnisse vortragen und diskutieren, wodurch sie wertvolles Feedback und Hilfestellung für ihre Seminararbeitsprojekte erhielten.
Nach einer kurzen Mittagspause erwartete die Teilnehmer*innen eine Bibliotheksschulung. Neben einer Besichtigung der Lesesäle erhielten die Seminarist*innen wichtige Informationen zum Ablauf der Ausleihe, zur gezielten Recherche, zu wissenschaftlichen Arbeitstechniken und zum Umgang mit KI. Außerdem konnten sie ihre Bibliotheksausweise in Empfang nehmen und sich somit bereits mit wissenschaftlicher Literatur eindecken.
Ein herzlicher Dank nochmals an Frau Prof. Dr. Andrea Sieber und Julia Siwek (Professur für Ältere Deutsche Literaturwissenschaft) sowie Susanne Hillenbrand-Sturm und Anna-Maria Vogl (Bibliotheksteam), die uns diesen gewinnbringenden Tag ermöglicht haben.
Cornelia Hechberger, StRin

