Theaterfahrt zu „Homo Faber“
„Du bist ein Mann. / Ich bin eine Frau – das ist ein Unterschied.“ – Einer von vielen Sätzen, die nach der Theatervorstellung nachklingen. Die Klassen 12W1, 12WA und S1 durften sich im Rahmen der Lektürearbeit im Deutschunterricht „Homo Faber“ nach Max Frischs gleichnamigen Roman im Landestheater Salzburg ansehen. Den Roman, der in den 50er Jahren entstanden ist, kennzeichnet vor allem die radikale Einstellung insbesondere des Protagonisten hinsichtlich Geschlechterrollen und Weltbild. Zusammen mit ihren Begleitlehrerinnen Maria Kratzer und Cornelia Hechberger durften sich die Schüler*innen eine Bühnenfassung von Susanne Frieling ansehen, die der Handlung wiederum einen radikal neuen Bezugsrahmen gibt. Der Protagonist Walter Faber hat in Frielings Version die Magen-OP, die ihm am Ende des Romans bevorsteht, nicht nur überlebt, sondern ist stark gealtert und an Demenz erkrankt. Er befindet sich im Krankenhaus und ist ein Pflegefall. Gerade den rationalen, abgeklärten Techniker und Macho Faber als einen dementiellen Pflegefall darzustellen, schärft den Blick für Grundfragen menschlicher Existenz. Dem in der Epoche der Aufklärung formulierten Gedanken nach ist das zentrale Kennzeichen des Menschen die Vernunft und die Fähigkeit, selbstbestimmt zu handeln; nach Immanuel Kant sind nur vernünftige Personen in der Lage, moralisch zu handeln. Was bleibt demnach vom Menschen übrig, wenn man ihn nur mit geistiger Leistung gleichsetzt? Was macht den Menschen aus, was macht uns menschlich? Diese Fragen gewinnen gerade auch in Zeiten, in denen Künstliche Intelligenz Einzug in viele Lebensbereiche hält, an Bedeutung. Dass Angst, Schwäche, Fehler, Scheitern und Verlust, aber auch Liebe und Verzeihen zum Leben gehören und unser menschliches Zusammenleben ausmachen, zeigt das Stück auf eindrucksvolle Art und Weise auf. Die durchdachte Bühnengestaltung und musikalische Gestaltung des Stücks, die die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren unterstreicht, das Heraustreten der Darsteller aus den Rollen und Interagieren mit dem Publikum, eine äußerst starke Performance der Schauspieler und eine klare Haltung zu brisanten Themen insbesondere auch für die jüngere Generation, machten den Theaterbesuch zu einem Highlight – eine moderne Inszenierung aus weiblicher Perspektive, die nicht zuletzt auch durch die teilweise bemerkenswerte Texttreue zum Roman eine Wertschätzung gegenüber Max Frischs Klassiker ausdrückt.
Nach dem Theaterbesuch blieb noch genügend Zeit, um sich bei Punsch und Bratwurst am Christkindlmarkt auszutauschen und durch das weihnachtliche Salzburg zu schlendern.
Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Manuel Ramminger vom Salzburger Landestheater, der uns eine Woche vor der Theatervorstellung an der Schule besuchte und unsere Schüler*innen in einem kostenlosen Workshop auf die Inszenierung vorbereitete. Durch das Hineinschlüpfen in die Rollen gewannen die Schüler*innen nicht nur ein besseres Verständnis für das Stück, sondern konnten auch hautnah erleben, wie herausfordernd es für Schauspieler sein kann, sich auf verschiedene Rollen einzulassen.
Cornelia Hechberger



