Berufliche Oberschule Inn-Salzach

Erfolge bei „Erinnerungszeichen 2015/16“

„Bayern und Napoleon“ – das war das Thema des vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst organisierten Schülerlandeswettbewerbs „Erinnerungszeichen 2015/16“. Zunächst mag die Thematik etwas trocken klingen: Die Herrschaft Napoleons hatte zwar immense Auswirkungen auf unser modernes Bayern; aber sie liegt 200 Jahre zurück und erscheint uns in einem aktuell mehr oder weniger geeinten Europa zu kriegerisch, zu machtpolitisch geprägt und damit seltsam entrückt. Auf den zweiten Blick aber erkennt man hinter „der großen Politik“ viele Einzelschicksale, die es – gerade auch in unserer Region – wert sind erzählt zu werden. Und eben diese Schicksale haben Monika Schlederer (13W1) und Sabrina Boschner (13S1) von der Beruflichen Oberschule Inn-Salzach in ihren Seminararbeiten erforscht und mit Leben gefüllt, wofür sie im Rahmen des Wettbewerbs geehrt wurden.
Fr. Schlederer hat sich mit der Geschichte der Frau im napoleonischen Bayern befasst und die Situation der adeligen Frauen untersucht, die z.B. mit großen gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert waren und Ehen aus Gründen der Staatsräson schließen mussten. Außerdem analysierte sie die Lebensbedingungen „einfacher Frauen“ aus dem Volk, die oft mit existenziellen Herausforderungen zu kämpfen hatten. Beispiele hierfür sind die hohe Kindersterblichkeit jener Zeit oder sexuelle Übergriffe durch die Besatzungsmächte, aber auch komplizierte Liebesbeziehungen zu französischen Soldaten. Fr. Schlederers Arbeit besticht durch die große Zahl verwendeter Quellen und Sekundärliteratur – sie zitiert insgesamt 60 verschiedene Titel – und eine fundierte Analyse von 14 bildlichen Darstellungen aus der Zeit um 1800. Für diese Leistung ist sie zu Recht mit einem Anerkennungspreis beim Wettbewerb „Erinnerungszeichen 2015/16“ ausgezeichnet worden.
Eine etwas andere Geschichte erzählt Fr. Boschner in ihrer Seminararbeit zur Geschichte des Klosters Gars am Inn vor, während und nach der Säkularisation 1802/03. Sie veranschaulicht den Ablauf der Säkularisation – also im Prinzip die staatliche Enteignung des Klosters – und die gravierenden Folgen dieses Vorgangs für die in Gars lebenden Patres, Bauern und Bediensteten. Die Bauern verloren einen wichtigen und gerechten Grundherren, an den sie regelmäßig Abgaben leisteten; der Staat trat nun an dessen Stelle, der jedoch insgesamt strenger war als das Kloster. Von den Bediensteten wurden viele „aufgekündigt“, sodass sie sich unter schwierigen Umständen anderweitig den Lebensunterhalt sichern mussten. Diese und weitere Aspekte untersucht Fr. Boschner mithilfe einer Vielzahl von Quellen und Sekundärliteratur, auf der Grundlage zweier Experteninterviews und – und das ist besonders hervorzuheben – anhand von Originaldokumenten aus dem Hauptstaatsarchiv München. Hierfür hat sie verdientermaßen den 1. Landespreis in der Kategorie „FOS/BOS“ beim Wettbewerb „Erinnerungszeichen 2015/16“ erhalten, der ihr am 15. Juli 2016 persönlich von Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich und Martin Güll, Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, in München überreicht wurde.

Die Schulfamilie gratuliert den beiden Nachwuchshistorikerinnen ganz herzlich zu diesem Erfolg!

 

Weiterführende Infos

Dr. Gregor Weidinger

 

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Die Preisträgerinnen Fr. Schlederer (links) und Fr. Boschner (rechts) bei ihrer Laudatio im Rahmen der Zeugnisverleihung

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Fr. Boschner, Gewinnerin des 1. Landespreises in der Kategorie „FOS/BOS“, mit ihrem Laudator OStD Dr. Kotter (Rottmayr-Gymnasium Laufen, links) und StR Dr. Weidinger (Betreuer der Seminararbeit) beim Festakt im Landtag in München